William in Trouble – an Alien in Berlin
Endlich war er da, der Tag der lang angekündigten Fahrt in die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, schon bezahlt und mit Ermahnungen der Eltern versehen, war angebrochen. Man muss wissen, dass bei dieser Exkursion alles etwas anders verlief, als man es bei „normalen“ Exkursionen gewohnt ist.
Dies begann schon bei dem Treffpunkt um 5.50 Uhr an der Schule. Es kamen nicht, wie gewohnt, die Schüler zu spät, sondern dieses Mal der Bus. Man glaubt gar nicht, wie froh man über den Anblick eines schönen, großen und beheizten Busses sein kann, wenn Außentemperaturen von -5°C herrschen.
Nun, nachdem alle einen schönen Platz im Bus gefunden und sich teilweise schon häuslich eingerichtet hatten, konnte die Fahrt in die größte Stadt Deutschlands beginnen.
Auf der Hinfahrt herrschte eine sehr ruhige Atmosphäre im Bus, was sich auf der Rückfahrt ändern sollte.
Nach ca. vier Stunden Busfahrt, inklusive zweier Kaffeepäuschen fuhren wir endlich am Ortseinfahrtschild „Berlin“ vorüber, es waren auch sofort einige hochragende Sehenswürdigkeiten zu erkennen, Siegessäule, Fernsehturm…
Die Stimmung im Bus war fantastisch und alle schauten aus dem Fenster, als hätten sie noch nie ein Auto oder eine Ampel gesehen … (wenigstens nicht solche wie in Berlin).
Unser erster Halt war auch gleich vor dem Reichstagsgebäude. Aber was war hier los? Kontrollhäuschen, Wachpolizisten, Absperrbänder; war Staatsbesuch im Anmarsch? Nein, nur wir und andere Gruppen. Es ging gleich mit der Information auf mehreren Schildern los: Kuppel geschlossen. Na klasse, es stellte sich auf Nachfrage heraus, dass das nur auf Abschreckung von Individualbesuchern zielte, denn alle, die den Bundestag besuchen wollen, sollten wissen: „Ohne Kontrolle geht nichts!!“.
Vom Haupteingang bis in die Bundestagskuppel gibt es eine Kontrolle nach der anderen. Gleich am ersten Kontrollpunkt zog man unseren Sprachassistenten heraus, er war anstelle eines erkrankten Schülers mitgefahren, ohne dass die gefaxte Besucherliste geändert worden war, das fiel bei der Ausweiskontrolle auf, illegaler Besucher aus Belfast (da liegt der Gedanke an IRA ganz nah). Als wirklich gefährlich erwies sich William dann doch nicht und er durfte nach kurzer Wartezeit am Eingang, von wo wir uns gegenseitig sehen, aber nicht berühren konnten, wieder in unsere Gruppe, obwohl… eine Mädchengruppe aus Hersfeld hätte ihn gern adoptiert. Aber es verlief alles glatt und William war am Ende durchaus froh, dass er seine leckeren Sandwichs nicht aus Sicherheitsgründen auspacken und aufmachen musste.
Auch, wenn wir nicht, wie angekündigt, eine Führung auf Englisch bekommen hatten, erfuhren wir doch sehr viel Interessantes über den Bundestag, unter anderem, dass die Luft im Bundestag aus dem Teppichboden in den Saal geleitet wird und dass der Bundesadler gute zwei Tonnen wiegt.
Nach dem Erklimmen der Kuppel des Bundestages gab es noch ein schönes Gruppenfoto und wir machten uns auf zum Brandenburger Tor. Frau Rothenberger zeigte uns sogar, wo die alte Berliner Mauer stand und wir liefen weiter zum Potsdamer Platz. Ab diesem Zeitpunkt trennten sich unsere Wege kurzzeitig und jeder hatte 1,5 Stunden Zeit, sich am Potsdamer Platz umzuschauen, zu shoppen oder einfach das schöne Wetter zu genießen.
Mit Starbucksbechern, Dunkin Donutskisten und Fritzkola bepackt, trafen wir uns wieder direkt am Sonycenter/Potsdamer Platz.
Wir hatten einen straffen Zeitplan und mussten daher sofort zu unserem zweiten Event dieser Exkursion sprinten. Der Bundesrat sieht ganz anders aus als der Bundestag. Er ist natürlich viel kleiner und es gab nicht einmal eine richtige Kontrolle. Im Bundesrat durften wir nun die Länderregierungen, die Bundesregierung und sogar die Präsidentin des Bundesrates in einem sehr realistisch dargestellten Rollenspiel vertreten. Nachdem wir über das aktive und passive Wahlrecht entschieden hatten, waren wir sehr stolz auf uns und bedankten und verabschiedeten uns bei unserer wirklich netten und kompetenten Leiterin.
Gleich nach dem Besuch des Bundesrates hatten wir die ehrenvolle Aufgabe, den Bus rechtzeitig am Potsdamer Platz aufzusuchen. Nur dank Frau Rothenbergers wirklich hervorragenden Timings und Orientierungssinnes (Anmerkung Rothenberger: das glaubt meine Familie nie), haben wir den Bus auf die Sekunde genau gefunden.
Die Rückfahrt war genau das Gegenstück zur Hinfahrt. Alle waren putzmunter, es wurde gesungen, gelacht und am Ende gab es sogar ein Ständchen für unseren netten Busfahrer.
Fazit: Dieser Tag war sehr spannend, teilweise anstrengend und spaßig für uns. Jeder weiß nun, wie die Zentrale unserer Gesetzgebung funktioniert und aussieht. Wir freuen uns auf weitere so tolle Exkursionen …
Klasse 9c/d

