Stimmungsbericht zur Leipziger Buchmesse

Hannes Polten (11A)
                                                                                                                                   28.03.2019

Die Sonne drückt erstaunlich für einen Tag im März, es ist laut, ein Gewirr aus Schülerstimmen, es dröhnt in meinen Ohren. Irgendwie riecht es nach Zigarettenrauch, es ist eng, man muss schreien, um sich zu verstehen. Langsam rücken die Kontrollen näher, und die Verbotsschilder verkünden uns, dass Scheren nicht erlaubt sind, was uns mit Blick auf unsere Federmappen unruhig macht.

Doch warum setzen wir uns diesem Stress aus?

Die Antwort ist fünf Hallen groß und beherbergt 2547 Aussteller: Die Buchmesse in Leipzig.

Die Buchmesse ist aus der Vogelperspektive vor allem eins: Eine Messe der Gegensätze. Wo ein Hipster mit Hotdog mit einer umweltbewussten älteren Frau über Nahrung diskutiert, wo lautstarke Lesungen, die „… weh tun“, wie der Autor selbst schildert, auf Klänge einer Trompete treffen, wo Gerüche von Crêpes gegen den von Büchern ankämpfen, da ist Kultur zu Hause.

Während ich anfangs erst genervt den Trubel verurteilte, begann ich später zu erkennen, dass hektische Schülermassen, die sich plappernd drängen, auch eine gewisse Ästhetik besitzen, weil sie zeigen, dass der Wille nach guter Literatur lebt!

Eine Messe, die von oben ein Lichtermeer bildet und in rot und weiß getränkt ist, wie auch die „XXL-Pommes“, die hier verkauft werden, ist natürlich eine Verkaufsmaschinerie, doch sie ist auch die Möglichkeit, das Lesen zu erhalten, wofür sich Menschen aus aller Herren Länder interessieren, was nicht nur der akustische Sprachsalat, sondern auch die weitgereisten Verlage aus aller Welt beweisen. Denn was auf den ersten Blick aussieht wie ein Kampf der Kulturen, ist in Wirklichkeit Völkerverständigung und kultureller Einklang. Niemand stört sich daran, dass „junge Autoren Mitte 40“ für Kleinkinder und Rentner gleichzeitig Pressekonferenzen geben, denn die Liebe zu Büchern verbindet sie.

Doch diese Messe symbolisiert außerdem Bildung, zum Beispiel politische Bildung.  Der Bundestag stellt viele kostenlose Broschüren neben werbenden Bonbons zur Verfügung, aber auch die UN und die „Friedrich-Ebert-Stiftung“ werben für demokratische Werte. Auch Schulbuchverlage zeigen ihre Produkte, und „pädagogisch wertvolle“ Kinderbücher werden geboten. Doch obwohl im „Kinderbücherteil“ der Halle eine „Chill Out Area“ zum herumlungernden Schmökern einlädt, ist unter diesem welligen Dach noch größerer Lärm. Freudige Kinderaugen wuseln umher und zeigen ihrem Vater aufgeregt Bücher, welche dieser trotz seines paradiesvogelähnlichen Aussehens als „hässlich“ abtut. Ihn lassen auch die Hinweise unbeeindruckt, dass es sich hierbei um eine Empfehlung der „Mitarbeiterkinder“ handele.

In „Halle 3“ hingegen verstopfen ein sich orientierendes Pärchen aus Schneewittchen und korpulenter böser Königin die Gänge, was von hastigen Menschen mit einem Augenleiern quittiert wird. Währenddessen habe ich eine der großen Schatztruhen der Messe gefunden, nämlich einen der Läden, und stöbere mich nun von matten Buchrücken zu schriftlicher Kapitalismuskritik.

Als ich wieder das Tageslicht erblicke und frische Luft durch meine Nase ziehe, tut es mir fast leid, dass ich mich schon verabschieden muss, denn alle Gegensätze, alle Widrigkeiten und all der Lärm haben sich gelohnt, denn ich habe mich in Bücher verliebt, die schon bald gelesen sein werden.