Ein Kunstprojekt zum Mitmachen

Der Offene Tisch – „Jeder Mensch ist ein Künstler“

In unserem Kunstkurs der 11. Klasse beschäftigten wir uns mit dem Künstler Joseph Beuys und seinem erweiterten Kunstbegriff. In diesem Zusammenhang sollten wir eine soziale Plastik schaffen, die das Zusammenleben in der Schule verbessern würde. Die vielfältigen Projekte, die dabei entstanden, sind im Schulhaus zu sehen.
Wir, Julia Bergs und Alexander Hempel, wollten mit unserem Kunstprojekt eine Art anonyme Kommunikationsplattform schaffen, um den Informationsaustausch zwischen den Schülern aber auch zwischen Lehrern und Schülern zu verbessern. Wir stellten also allen, die mitmachen wollten, einen Tisch, ein Heft und Stifte zur Verfügung. Sie konnten sich sowohl auf dem Tisch als auch in dem Heft verewigen. Neben Kritik waren auch Lob oder einfach nur ihre Gedanken erwünscht. Als Anregung schrieben wir schon einige ausgewählte Zitate in das Heft. Selbstverständlich wurden auch ein paar Regeln aufgestellt, so waren Beleidigungen verboten und das Unkenntlichmachen anderer Meinungen unerwünscht.
Sofort nach der Veröffentlichung des Projektes am 26.05.2016 in der 5. Stunde, war es sehr beliebt, es bildeten sich große Menschentrauben um den Tisch und die drei Stifte reichten teilweise nicht aus.
Was uns auffiel war, dass sich selten ein Schüler alleine verewigte, meist haben sie es sich nur in einer Gruppe getraut. Hierbei entstanden auch viele sinnentleerte Kommentare, da es vor allem in den jüngeren Klassen weniger um Individualität und die Chance zur freien Meinungsäußerung geht, sondern um Zugehörigkeit zur Gruppe. Sehr häufig findet man nur Namen oder Spitznamen von Schülern auf dem Tisch schrieben. Zwischen den vielen sinnentleerten Kommentaren gab es jedoch auch einige durchdachte und sinnvolle Aussagen. Neben der Schule wurden auch einige Lehrer und Lehrerinnen gelobt. Ein Ansatz von Kommunikation war zu erkennen, so wurde zum Beispiel eine Zeichnung einer Katze mit „sehr süß“ kommentiert.
Leider wurden nur selten die Regeln gelesen und wenn sie gelesen wurden, waren sie nur selten befolgt worden. So konnte man nach zwei Stunden kaum noch etwas auf dem Tisch lesen, da alle übereinander geschrieben hatten, obwohl man sagen muss, dass noch genügend Platz in dem Heft gewesen wäre. Es scheint so als hätten die Schüler mehr Spaß gehabt den Tisch zu beschmieren, also etwas normalerweise Verbotenes zu tun, als in ein gewöhnliches Schulheft zu schreiben. Auch Beleidigungen waren leider auf dem Kunstwerk zu finden. Aus diesem Grund und da wir verhindern wollten, dass man noch weniger
lesen kann, mussten wir das Projekt leider bereits nach zwei Schulstunden beenden.
Abschließend ist zu sagen, dass  die Schule anscheinend nicht anonym genug ist und dass durch Gruppenzwang leider zu wenig durchdachte Kommentare entstanden. Schade ist, dass durch das Missachten der Regeln, anderen Schülern die Chance genommen wurde, sich auch an dem Projekt zu beteiligen.

Alexander Hempel